Skip to content

Die Lebensader der Region bewahren

Unter Strom: Fischuntersuchungen in der Temnitz

18/10/23

Temnitz. Experten haben im Auftrag des Instituts für angewandte Gewässerökologie GmbH Anfang Oktober für die Stiftung NaturSchutzFonds Brandenburg Fische in der Temnitz untersucht. Diese Kartierarbeiten fanden im Rahmen der Managementplanung für das Natura 2000-Gebiet Oberes Temnitztal Ergänzung statt und sollen den Zustand der Fischfauna klären. Bei den Untersuchungen kamen interessante Ergebnisse zu tage.

An insgesamt neun Standorten entlang der Temnitz haben die Fischer Herr Wolfram Hahlweg und Herr Gernot Walter eine Elektrobefischung durchgeführt. Bei dieser Methode der Fischuntersuchung wird schwacher Strom zum Fang der Tiere eingesetzt.

Dabei wurden unter anderem Bitterling, Gründling, Schleie, Moderlieschen, Dreizackiger Stichling, Hecht, Flussbarsch, Döbel sowie ein Kamberkrebs gefunden. Der Kamberkrebs ist ein aus Nordamerika stammender Flusskrebs, der als invasive gebietsfremde Art auch in Europa vorkommt. Er ist in Teilen Europas weit verbreitet und dort die mittlerweile häufigste Flusskrebsart.

Die Verbreitung der Fische im Ober- und Unterlauf der Temnitz ist sehr unterschiedlich, da Bauwerke Standortbedingungen stark verändert haben. So ist das Wasser im Unterlauf vor einem Wehr sauerstoffarm und nährstoffreich. Wasserlinsen wachsen hier, die Fließgeschwindigkeit ist gering. An diesen Stellen fehlten größere, ältere Fische. Dies könnte ein Zeichnen dafür sein, dass die Sauerstoffsituation im Sommer noch weitaus schlechter war. Dafür wurden hier viele Bitterlinge und andere kleine Arten wie Moderlieschen gefunden. Die kleinen Fische können solchen Extremsituationen entgehen, indem sie in kleinen Seitenbächen ausharren bis sich die Situation entschärft. Größere Fische wie Hechte können das nicht.

Oberhalb der Staustufen wurden unter anderem Steinbeißer, Schleie, Neunstacheliger Stichling und Schmerlen gefunden. Bitterlinge wurden hier hingegen nicht gefunden.

Anfang 2019 soll mit Anglern über die Ergebnisse der Untersuchungen diskutiert werden. Sie kennen und beobachten das Gebiet seit Jahren und können wichtige Hinweise für die weitere Planung geben. Hierzu wird nochmal direkt eingeladen.

Der Bitterling spielt im Rahmen der Managementplanung eine besondere Rolle, weil er unter europäischem Schutz steht. Aufgrund des Bitterlings und anderer gefährdeter Arten und Lebensräume wie Kleine Flussmuschel und Moorwälder wurde das Gebiet um die Temnitz als sogenanntes Fauna-Flora-Habitat-Gebiet in das europäische Schutzgebietsnetz Natura 2000 aufgenommen.

In Deutschland ist das Elektrofischen nur unter besonderen Voraussetzungen möglich. Dazu zählen unter anderem die Prüfung als Elektrofischer sowie eine Genehmigung der Fischereibehörden. Das elektrische Gerät, welches hierbei zum Einsatz kommt, verfügt über einen Generator der schwachen Strom erzeugt. Ein metallener Kescher und ein geflochtenes Mettallband erzeugen einen geschlossenen Stromkreis, wenn sie beide ins Wasser gehalten werden. Fische, die sich innerhalb des Wirkungsradius befinden, richten sich mit dem Kopf zum Kescher aus und schwimmen ihm bei ausreichender Spannung sogar entgegen. Dann können die Fische mit Hilfe eines weiteren normalen Keschers aufs Boot gezogen werden. Dort wird ihre genaue Art, Alter und Geschlecht bestimmt. Anschließend werden sie zurückgesetzt und können unbeschadet davon schwimmen.

 

Für Fauna-Flora-Habitat-Gebiete in Brandenburg werden Schutz-und Bewirtschaftungspläne(Managementpläne) erstellt. Die Stiftung koordiniert diese Arbeit für 75 Gebiete in Brandenburg. Im Rahmen dieser Managementplanung werden regelmäßig Treffen einer projektbegleitenden Arbeitsgruppe organisiert. Diese soll den Austausch mit den Menschen vor Ort ermöglichen, beispielsweise mit Vertretern der Gemeinden, der zuständigen Behörden, Anglern, Landwirten, Anwohnern, Interessierten. Zudem werden Exkursionen und Infoveranstaltungen angeboten.

Erst Im August fand ein öffentlicher Fledermausfang im Rahmen der Managementplanung statt. Die Veranstaltung diente dazu die naturschutzfachliche Bedeutung des Gebiets zu verdeutlichen und die seltenen Arten den Menschen noch ein Stück näher bringen.

Voraussichtlich im Frühjahr wird ein weiteres Treffen der Regionalen Arbeitsgruppe angeboten. Alle Interessierten sind herzlich eingeladen teilzunehmen. Der genaue Termin wird auf der Projektseite www.natura2000-brandenburg.de sowie die örtliche Presse bekanntgegeben. Hier sind ebenfalls ein Gebietssteckbrief und Fotos der vergangenen Veranstaltungen zu finden.

Ansprechpartner:

Frank Berhorn (Koordination Managementplanung),
Tel.: 0331/97164866,
E-Mail: frank.berhorn@naturschutzfonds.de.

Amt Temnitz

Sprechzeiten

Mo: geschlossen

Di: 8-12 Uhr, 13-18 Uhr

Mi: geschlossen

Do: 8-12 Uhr, 13-16 Uhr

Fr: 8-12 Uhr

Kontakt

Bergstraße 2

16818 Walsleben

Tel.: 033920 675-0

Fax: 033920 675-16

E-Mail:
info@amt-temnitz.de

Freiraum Ruppiner Land